VW's Moia – Das Taxi 2.0?

Moia, der Elektrovan von VW will Taxis und Uber Konkurrenz machen. Aber ist das Konzept eines digitalen Sammeltaxis wirklich innovativ? Was meint ihr?

Posted by Startup TV on Dienstag, 12. Dezember 2017

 

VW stellt einen eigenen Fahrdienst vor, den sie vollmundig als Generationenprojekt anpreisen. So sieht Krisenkommunikation aus, ungefähr wie bei Elon Musk mit seinem Truck. Dieselgate und weltweit Städte, die plötzlich verbrennungsfreie Innenstädte ankündigen, machen Volkswagen das Leben schwer. Innovationen auf Biegen und Brechen und im Schnellzugtempo müssen her. Zwar gibt es die Tochterfirma von VW schon seit 2016, jedoch wird jetzt eher ein Ablenkungsvehikel draus, welches zeigen soll, dass der Riese aus Wolfsburg doch irgendwann mit dem Wort Zukunft assoziiert werden könnte.

Kommen wir nun zum eigentlichen Vehikel. „Moia“ ist ein Elektrovan. Nicht mehr (leider), aber auch nicht weniger. Dazu gibt es ein Carpoolingkonzept, dass allerdings nicht auf dem eigenen Mist gewachsen ist, sondern vom Startup „Gett“ stammt. Zwar hat man sich mit dem Design Mühe gegeben, es lässt sich bequem in die 1.75m Raumhöhe einsteigen, ein robuster Boden und eine Leselampe für jeden Fahrgast(!) zählen zu den Austattungsmerkmalen. Auch beworben wird ein Handgriff im Einstiegsbereich der elektrischen Schiebetür, damit auch ältere Herrschaften selbständig einsteigen können. Und das soll innovativ sein? Das einzige, was den Van von einem Sharan mit Elektromotor unterscheidet, wäre die tatsächlich goldene Innenverkleidung. Doch Halt, man fabuliert großspurig von einem total neuen Mobilitätskonzept mit dem man bis 2025 nichts geringeres als die Weltherrschaft anstrebt, pardon, eine marktführende Stellung weltweit beim Carpooling. Quasi vernünftig dem Trend zur Besitzlosigkeit der Generation X, Y und Z folgend. Auch das ist abzusehen und haben andere schon viel früher geschnallt. Außerdem ist es etwas anmassend, in Berlin ein paar Werkstudenten (siehe Jobangebote Moia-Webseite) mit nem Gym-Gutschein und sogar „konkurrenzfähigen“ Lohnvorstellungen in der anscheinend vorhandenen „Startup-Kultur“ (so ködert man heute Fachkräfte?) in der Konzerntochter anzuwerben und dann medien- und politikwirksam zu verkünden, man hätte doch tatsächlich das Sammeltaxi neu erfunden.

Echt jetzt? Ein bisschen goldene Farbe, ein schickes Animationsvideo, etwas Startup-Feenstaub und schon ist die Nebelgranate fertig. Minibusse als Mitfahrgelegenheit sind aus gerade wirtschaftlichen Gründen in weiten Teilen der Welt, zum Beispiel in Asien, Afrika oder Südamerika, die mit Abstand größten Verkehrsträger in Grossstädten. Was dort mittels Handzeichen und lautem Zurufen funktioniert, muss für unseren Kulturkreis „digitalisiert“ per App gehen, schon klar, aber eine Weltrevolution oder „intelligent“ ist diese Neuinterpretation überhaupt nicht, sondern schlicht und einfach aufmerksam abgeschaut. Aber nicht mal das hat VW selber entwickelt, sondern eben nur schnell mal noch eingekauft. Allerdings muss man auch lobend erwähnen, dass man nun langsam beim Deutschen Autobauern beginnt zu begreifen, dass die Leute immer öfters lieber eine Flatrate zahlen anstatt sich eine teure und möglichst fette Limousine mit Schulden ans Bein zu heften. Oder dass Klimaziele und Verkehrskollapse vermeiden nur mit Vernunft und Sharing-Economy möglich werden. Außerdem merkt man wohl gerade, dass wenn man wie Uber, Google und all die anderen die ganze Wertschöpfungskette der Moblilität abdeckt, auch viel mehr Kohle verdienen könnte. Wir hoffen schwer, dass „Moia“ tatsächlich unsere Städte von Feinstaub und Stau befreit und tatsächlich zu so etwas wie ein Wagen des Volkes werden könnte und nicht nur eine goldene Marketingblase bleibt. Moia geht 2018 in Hamburg mit 200 Fahrzeugen in Zusammenarbeit mit der Hochbahn an den Start. Die Preise sollen dabei günstiger als ein Taxi, aber teurer als die S-Bahn sein.