Warum katalanische Startups Angst haben

In der Startup-Szene in Barcelona herrscht wegen dem Konflikt rund um die katalonische Unabhängigkeit grosse Unsicherheit. Wer ist betroffen, wo steht Barcelona als Startup-Hub in Europa und wie ist die Stimmung vor Ort? Kurzer Blick hinter die Kulissen:

Katalanische Startups leben zur Zeit auf heißen Kohlen. Nachdem man in Barcelona die letzten Jahre den großen Startup-Zentren wie London, Paris oder Berlin immer gemächlich hinterher hinkte, hat in der Stadt am Mittelmeer ein Wandel stattgefunden der damit zu tun hat, dass nicht mehr nur Tech-Unternehmen sich Barcelona als Standort aussuchen würden, sondern immer öfters auch Startups aus unterschiedlichsten Branchen wie zum Beispiel Lodgify, welches Wohnungsvermietern das Leben erleichtert. Oder die App von Coverfy, sie spart Versicherten bis zu 40% ihrer Prämien.

Das führte zu so guten Zahlen wie seit 2014 nicht mehr, denn im letzten Jahr haben ganze 72 Startups Investorengelder einsammeln können.

Innerhalb von Spanien ist Barcelona mit rund 53% der Startup-Investitionen im Umfang von 282 Millionen noch vor Madrid mit 172 Millionen die Nummer eins. In der unsicheren Lage der letzten Tage setzte bereits ein Exodus der großen Unternehmen ein. 450 Unternehmen wie zum Beispiel die Bank Sabadell, das Telekomunternehmen Cellnex oder der Energieriese Gas Natural haben nach einer Gesetzteslockerung aus Madrid ihre Hauptsitze vorübergehend in andere spanische Städte verlagert. Wie die Onlinezeitung El Conifidential recherchierte, sei die Stimmung gedrückt aber die Lage noch eher ruhig bei den Startups. Verse, eine Art spanisches Paypal, sagt, dass ihre Investoren sehr nervös seien und Sitzungen, welche sich um die aktuelle Krise drehten, abgesagt hätten. Bei der Rekrutierung von Talenten gäbe es aber weniger Probleme. Dass dürfte aber auch mit den Überbleibsel der Wirtschaftskrise zu tun haben, viele junge Spanier sind zwar sehr gut ausgebildet, aber nach wie vor arbeitslos und in einem Kreislauf fehlender Arbeitserfahrung gefangen. Dass die aktuellen Probleme die gerade zart zu blühende Startup-Pflanze Barcelona wieder in eine Dürrephase zurückwerfen könnte, beschreibt Tomas Diaz von FabLab capital Catalana mit folgenden Worten sehr treffend:

„Die Welt ist heute hyperconnected. Es kostet uns viel, von Innovation zu sprechen mit Grenzen wie vor 200 Jahren. Das ist wie Software der Zukunft auf Hardware der Vergangenheit zu testen.“

Wie alle anderen, wissen die Startups also nicht wie es weitergeht und der Druck und die Angst wachsen. Speziell betroffen sind Fintech-Startups, denn da spielen internationale Standards eine große Rolle. Würde Katalonien die nächsten Tage die Unabhängigkeit erklären, müsste viele sofort umziehen. Denn die Probleme wären nicht nur politisch oder ideologisch, sondern es würde zum Beispiel erforderliche Lizenzen zur Marktteilnahme fehlen. Von den ca. 1300 deutschen Firmen, welche in Spanien tätig sind, haben ungefähr 40% ihren Hauptsitz in Katalonien.

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