Wie Kinder zu Digitalprofis werden

Das Schulsystem wird immer wieder als langsam und unflexibel beschrieben. Änderungen und bundesweite Anpassung sind gerade in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur sehr schwierig. Doch obwohl schon vor gut einem Jahrzehnt die Einführung eines Unterrichtsfachs gefordert wurde, das Medienkompetenz vermittelt, ist hier noch sehr wenig passiert. Auch das Erlernen von Programmier-Skills kommt in Schulen noch viel zu kurz, obwohl solche Kenntnisse in der heutigen Arbeitswelt in vielen Bereichen sehr nützlich sind.

Was die Schule nicht leisten kann, übernehmen Startups

Es gibt einige Startups, die versuchen diese Lücke zu schließen und Kindern bereits das nötige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben, das sie brauchen, um in einer immer digitaler werdenden Gesellschaft zu bestehen. Das Berliner Startup Learning by Making  nimmt sich nun auch dieses Problems an und bietet Workshops für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren an, in denen sie spielerisch unter anderem Programmieren und den Umgang mit Robotern lernen.

Learning by Making ist ein Zusammenschluss von zwei Startups. Zum einen der Tablet Academy, die an Schulen die Einsatzmöglichkeiten des digitalen Lernens und Lehrens aufzeigt, sowie dem EduHeroes Club, der Kindern Digitalkompetenzen vermittelt. Mit dem Zusammenschluss wollen die beiden Gründer auch ihre Kräfte bündeln und Eltern, Lehrern und den Entscheidern in der Politik die Möglichkeiten digitaler Lernmethoden, aber auch die Wichtigkeit von digitalen Kenntnissen und Kompetenzen nahebringen.

“Wir wollen Innovationen in das Lernen einbringen, wir wollen die Augen von Lehrern und anderen Schulverwaltungen öffnen, um ihnen alle großartigen innovativen Lösungen zu zeigen, die es in der Bildung gibt”,  bestätigte uns auch Annemike Frank, Mitgründerin des Startups bei unserem Besuch in ihrem Workshop-Space in Berlin Schöneberg.

Mit Robotern spielerisch programmieren lernen

Der kleine Raum mit einer großen Fensterfront zur Akazienstraße, in dem sich das Büro von Learning By Making befindet, steht voll mit Robotern, Laser-Cuttern und anderen Gerätschaften. Mittlerweile gibt es auf dem Markt viele Startups aber auch einige etablierte Unternehmen, die Roboter bauen, die sich speziell an kleine Kinder richten.

Die putzigen Roboter von Robo Wunderkind, beispielsweise, sehen wie etwas größere Legosteine aus. Kinder können sie unterschiedlich zusammenbauen, mit Rädern versehen und sie anschließend noch mit einer App programmieren.

Viel kleiner hingegen ist der Ozobot robots  bei dem Kinder nicht nur basteln sondern auch malen können. Für den Ozobot braucht man nur ein paar farbige Stifte und ein weißes Blatt Papier. Die Kinder können anschließend auf das Blatt mit einem Filzstift eine Linie zeichnen, je nachdem welche Farbe verwendet wird, beschleunigt oder verlangsamt sich der Ozobot beim selbständigen Abfahren der Strecke. Natürlich können die verschiedenen Markierungen auch hier mittels einer App programmiert werden.

Little robot Ozobot following a path on a white sheet of paper drawn by a special black permanent marker.

Die Workshops, die Learning by Making anbietet, sind mehr auf den spielerischen Umgang mit all diesen unterschiedlichen Technologien ausgelegt, wie uns auch Annemieke Frank bestätigte: “Bei unseren Workshops steht der Lehrer nicht einfach nur da und sagt den Kindern, was sie tun sollen. Die Kinder gehen tatsächlich auf ihre eigene Lernreise. Wir haben immer eine sehr tolle, lebendige Geschichte: Du bist ein Held, du rettest die Welt mit deinen Robotern. Dann bringen wir die Kinder zusammen und der Programmierteil ist nur ein Nebenprodukt der spielerischen Geschichte.”

Learning By Making möchte mobile digitale Lernräume in ganz Deutschland schaffen

Im Moment konzentriert sich das Startup in seinen Workshops vor allem auf Kinder. In der Zukunft soll es aber auch Angebote für Jugendliche oder Studenten geben. Vor allem angehende Lehrer sind eine Zielgruppe, die Annemieke Frank mit ihrem Startup ansprechen möchte. Natürlich sollen auch weitere Lernräume entstehen.

So ist das große Ziel laut Annemieke Frank: “Wir wollen mobilen Lernräumen anbieten. Wir wollen eine Umgebung schaffen, in der das Lernen außerhalb der Schule stattfinden kann. Die große Vision ist es also, mobile Lernräume in ganz Deutschland zu schaffen.”