Startups haben es schwer einen Zugang zum Gesundheitsmarkt zu bekommen

Ein Startup rund um ein medizinisches Produkt zu gründen bedarf viel Mut und noch mehr Durchhaltevermögen. Viele Startups, die sich im Digital Health-Sektor versuchen, müssen bereits nach kurzer Zeit wieder aufgeben, da im Gesundheitsmarkt die Uhren noch etwas anders ticken als in anderen Industrien, in denen sich die Digitalisierung schon komplett durchgesetzt hat.

Inga Bergen vom Startup Magnosco musste diesen langwierigen Prozess selbst durchstehen, bis ihr Produkt zur Früherkennung von Hautkrebs als Medizin-Produkt zugelassen wurde: „Die größte Herausforderung für Startups, ist die Zeit durchzuhalten, die es braucht ein Produkt auf den Markt zu bringen, das dauert Jahre und ist auch sehr teuer. Weil man viele Studien und Zulassungsverfahren durchlaufen muss, die nicht für Startups, sondern für große Unternehmen gemacht sind.

Meist brauchen Startups die Unterstützung von Kliniken, Versicherungen oder großen Firmen aus der Gesundheitsbranche. Frank Birzle, Co-Founder und CEO, der ersten Startup-Krankenversicherung ottonova prangert die langsamen und zähen Prozesse gerade dieser Unternehmen an: „Viele Unternehmen versuchen im Sandkastenmodulen Sachen zu testen, aber das letztendliche Integrieren in die Ökosysteme, die schon zum Kernprozess einer Versicherung gehören, das passiert sehr selten. Hauptsächlich werden Pilotprojekte gestartet, die schaffen es nicht in die Produktion und sterben, weil keiner das ganze benutzt. Deshalb ergibt sich auch kein vernünftiges Geschäftsmodell für das Startup.

Innovationen scheitern an strengen Auflagen

Doch sowohl Inga Bergen und auch Dr. Clemens Budde, Leitender Oberarzt an der Charité Berlin würdigen die Bestrebungen, die Versicherung betreiben um bei der Digitalisierung im Gesundheitsmarkt aufzuholen. Allerdings sind Versicherungen an Gesetze gebunden und können nicht eigenmächtig entscheiden, für welche Produkte und Leistungen die Kosten erstattet werden. „Krankenkassen müssen nachweisen, dass ein Nutzen besteht. Krankenkassen können nicht einfach mit der Gießkanne die Versichertengelder ausschütten für eine gute Idee. Die Nutzenbewertung ist sehr schwierig in der Medizin, das geht meist nur mit teuren Studien„, führt auch Dr. Clemens Budde in unserer Diskussion während der CEBIT 2018 ins Feld.

Die Charité Berlin hat mittlerweile ein eigenes Inkubator-Programm ins Leben gerufen, bei dem die Klinik mit Startups zusammenarbeitet. Auch große Unternehmen wie Bayer haben Startups für ihr Geschäftsmodell entdeckt. Der Konzern hat einen Early Stage Accelerator aufgebaut und sucht nach Startups aus dem Digital Health-Bereich, die Probleme in der Wertschöpfungskette von Bayer lösen können. Eugene Borukhovich, der Global Head of Digital Health & Innovation bei Bayer hat Verständnis für die hohen Auflagen, die Startups im Gesundheitsmarkt erfüllen müssen: „Es ist anders als in anderen Industrien, da du an Körperteile und Gesundheit des Menschen ran gehst, es muss einen Unterschied zu z.B. E-Commerce-Unternehmen geben. Du kannst im Digital Health Bereich dein Produkt nicht einfach blind auf den Markt werfen.

Das Fazit für Startups ist ernüchtern. Zwar wollen Versicherungen, Kliniken und Pharmaunternehmen die Gesundheitsindustrie digitalisieren, allerdings stoßen sie oft an regulatorische Grenzen, die sich so schnell nicht grundlegend ändern werden. Bart de Witte, Chair of Faculty of futur medicine bei futur.io hat noch einen weiteren Vorschlag für Startups, die ein Medizinprodukt entwickeln wollen: „Wenn man versucht in diese hochregulierte Welt reinzukommen und sagt, wir werden das nächste große Ding, dann soll man aus dieser Welt rausgehen. In Länder gehen wie in Afrika und Südamerika, die einen Hohen Bedarf haben aber nicht so stark reguliert sind.